Definition:

In der Mehrzahl der Fälle bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine progressive Erkrankung von mehreren Gelenken mit Synovitis und knöcherner Destruktion der Gelenke. Eine kontinuierliche Verschlechterung und spontane Remmission sind möglich. Typisch ist die symmetrische Polyarthritis mit Bevorzugung der kleinen Gelenke.

Epidemiologie:

Die Prävalenz in der Bundesrepublik Deutschland beträgt ca. 0,8%. Familiäre Häufungen kommen vor, Frauen sind häufiger betroffen als Männer (F/M 3/1). Die Manifestation der rheumatoiden Arthritis kann in jedem Alter auftreten, jedoch liegt der übliche Krankheitsbeginn zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Orthopädische Versorgung:

Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises spielen in unserer Bevölkerung noch immer eine Hauptrolle. Dies gilt nicht nur für die Erkrankungsrate und die unterschiedlichen Heilungsaussichten, sondern auch für die große soziale und soziologische Bedeutung dieser Krankheiten.

Besonders dann, wenn die Gelenke des Fußes von der rheumatoiden Arthritis betroffen sind, meist zuerst die Metatarsalia beginnend von Met: V bis I, ist das Fachwissen und das Können des Handwerkes für Orthopädie-Schuhtechnik gefragt. Bei der Versorgung des Patienten mit orthopädischen Hilfsmitteln wie z.B. mit

  • Einlagen,
  • Schuhzurichtungen an Absatz und Sohle am Konfektionsschuh,
  • orthopädischen Schuhen,

stehen die Linderung der Schmerzen sowie die Mobilisation des Patienten im Vordergrund.

 

Einlagenversorgung:

Für die Anfertigung von Einlagen ist unbedingt ein Formabdruck notwendig. Eine der wichtigsten Konstruktionsmerkmale der Einlage ist die feste Abstützung des Längs- und Quergewölbes zur Unterstützung der formerhaltenden Strukturen des Fußes mit Berücksichtigung von empfindlichen Knochenteilen, die freigelegt werden können. Zur Fertigung der Einlage können Korkmaterialien, feste Kunststoffe oder Gießharzlaminate verwendet werden, die auf einer Walklederdecke aufgetragen sind. In der Regel sind die Einlagen 3/4 lang, wobei die Pelotte unmittelbar dahinter fixiert ist, um dem Vorfußraum im Schuh genügend Platz zu lassen.

Ist der rheumatoide Fuß abgeflacht kann die Abstützung im Sinne einer Bettungseinlage langsohlig im vorhanden Zustand erfolgen. Dies ist vor allem dann zu bevorzugen, wenn die Beschwerden durch aktive entzündlichen Veränderungen hervorgerufen werden. Hier können punktuelle Weichbettungen mit Moosgummi oder anderen Polstermaterialien zur Druckentlastung angebracht werden. Auf genügend Raum im Vorfu§bereich des Schuhes ist unbedingt zu achten.

 

Orthopädische Schuhzurichtung:

Oftmals ist die Wirksamkeit einer Einlagenversorgung nur in Kombination mit einer funktionellen Schuhzurichtung am Konfektionsschuh erfolgreich.

Arbeiten am Absatz:
  • Abrollabsatz mit abgeschrägter hinteren Kante ist in Verbindung mit Abrollsohlen unerläßlich.
  • Pufferabsatz dient zur Stoßminderung, um die Entlastung der Sprung-, Knie- und Hüftgelenke sowie der Wirbelsäule und Bandscheiben (Morbus Bechterew) zu erreichen.
  • Absatzverbreiterungen dienen zur Gangstabilisation.
Arbeiten an der Sohle:
  • Hallux-Rigidus-Abrollsohle zur Ruhigstellung des Großzehengrundgelenkes, oft in Kombination mit einer Rigidusfeder an der Einlage oder mit einer Schuhbodenversteifung.
  • Ballenrolle zur Entlastung der Mittelfußgelenke.
  • Rolle mit rückversetztem Auftritt zur Entlastung der Fu§wurzelgelenke.
  • Innenrand-, Außenranderhöhung dient zur Entlastung der großen Gelenke der unteren Extremitäten und trägt zur Gangstabilisierung bei.

 

Orthopädische Schuhversorgung:

Die orthopädische Schuhversorgung ist initiiert:

  • Wenn inoperable Zehendeformierungen mit Konfektionsschuhen nicht mehr versorgt werden können.
  • Wenn schmerzhafte Gelenksveränderungen im Mittel- und Rückfußbereich nur mit orthop. Schuhen stabilisiert und fixiert werden können.
  • Nach Sprunggelenksarthrodesen (Arthrodesenstiefel)

Beim orthopädischen Schuh sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Beim Gipsabdruck sind zu erwartende Deformierungen, die Freilegung schmerzempfindlicher oder durchblutungsgestörte Regionen zu berücksichtigen.
  • Die Fußbettung muß das Fußgewölbe formbeständig abstützen.
  • Druckentlastung empfindlicher Knochenteile mit Polstermaterialien.
  • Weiches Futter und Oberleder des Schaftes.
  • Die Schafthöhe richtet sich nach dem Bedarf der notwendigen Fixierung des Fußes.
  • Die Schafthöhe bei Arthrodesenstiefel muß mind. 25 cm betragen.