Die Innung für Orthopädieschuhtechnik Baden-Württemberg trauert um Karl Türk, der am 9. Februar nach längerer Krankheit verstarb.

Mit Karl Türk verliert das Orthopädieschuhmacher-Handwerk einen seiner prägenden Vertreter, der es wie kaum ein anderer verstand, technische Weiterentwicklungen mit berufspolitischem Engagement zu verbinden. Er etablierte nicht nur neue Verfahren im Handwerk, es gelang ihm auch, wichtige Neuerungen auf der Ebene der gesetzliche Krankenversicherung zu verankern.

Die Leidenschaft für die Orthopädieschuhtechnik zeigte sich bei Karl Türk schon früh. 1948 begann er seine Ausbildung zum Schuhmacher und schon in der Gesellenzeit machte er durch sein Talent in der Erforschung neuer Versorgungstechniken für die Orthopädieschuhtechnik auf sich aufmerksam – schon damals interdisziplinär mit Prof. Wolfgang Marquardt, dem langjährigen Leiter der Paulinenhilfe in Stuttgart. Seinen Meisterbrief erwarb Türk bereits mit 22 Jahren. 1957 gründete er mit seiner Frau Maria den heute noch bestehenden Betrieb in Freudenstadt.

Der Aufbau des eigenen Betriebes und das Engagement für sein Handwerk gingen bei ihm Hand in Hand. Er wurde Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Süd-Württemberg und übernahm 1976 deren Leitung. Im selben Jahr wurde er in den Vorstand der Innung Baden – Württemberg gewählt. 1977 wurde er aufgrund seines Sachverstandes in den Beratungsausschuss für das Orthopädieschuhmacher-Handwerk der heutigen Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie berufen, dem er über 20 Jahre angehörte. 1985 wurde er zum stellvertretenden Bundesinnungsmeister gewählt und gehörte dem Vorstand des BIV / ZVOS bis zum Jahr 2000 an. 1988 wählten ihn seine Kollegen zum Obermeister der Innung für Orthopädieschuhtechnik Baden – Württemberg, die er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2000 leitete.

Den Namen Türk verbinden heute viele mit der Schuhversorgung beim diabetischen Fußsyndrom. Karl Türk und sein Sohn Herbert gehörten zu den ersten, die sich um diesen heute so wichtigen Versorgungsbereich kümmerten, und entwickelten Versorgungsprinzipien, die heute noch Gültigkeit haben. Auch das Schulungsprogramm für die Diabetesversorgung geht wesentlich auf die Initiative von Karl Türk zurück. Und seiner fundierten Argumentation und seinem Verhandlungsgeschick ist es auch zu verdanken, dass die neuen Versorgungstechniken Eingang ins Hilfsmittelverzeichnis fanden und somit von seinen Kollegen auch abgerechnet werden können. Als Co-Autor des Buches „Der diabetische Fuß“ war er zudem an der wichtigsten Publikation für die Versorgung dieses Krankheitsbildes beteiligt. Neben der Diabetesversorgung leistete Karl Türk auch Pionierarbeit bei den Zehensilikonorthesen, für die er Material aus der Zahntechnik für die Orthopädieschuhtechnik nutzbar machte, auch zum Beispiel für die Abformung des Fußes, die Herstellung von Gießleisten, aber auch für flexible Vorderkappen. Und er engagierte sich früh für die Aufnahme der medizinischen Fußpflege ins Leistungsangebot der Orthopädieschuhtechnik.

Mit seinem Engagement für den Bodenseekongress in Friedrichshafen, der über 25 Jahre herausragende Weiterbildungsmöglichkeiten bot, und für die Schaffung des Bildungszentrum Orthopädieschuhtechnik Südwest (B-O-S-S) war Karl Türk auch maßgeblich am Ausbau der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in unserem Handwerk beteiligt.

Schon sehr früh kümmerte sich Karl Türk auch um die Außendarstellung unseres Handwerks. Mit der von ihm initiierten „Aktion 2000“ sollte das Image der Orthopädieschuhtechnik verbessert werden. Später war er die treibende Kraft bei der Erstellung des Handbuches „Indikation – Verordnung – Versorgung“ für die verschreibenden Fachärzte, das damals in den 90er Jahren schon in gedruckter und elektronischer Form publiziert wurde.

„Der Name Türk ist in unserem Handwerk über viele Jahre hinweg zu einem Begriff geworden, wenn es um Fort- und Weiterbildung und die Entwicklung und Erforschung neuer Technologien und Leistungsangebote für die Orthopädieschuhtechnik geht“, sagte  1997 der damalige Bundesinnungsmeister Albrecht Breymann, als Karl und Herbert Türk als Vater und Sohn mit dem Jahrespreis Orthopädieschuhtechnik, der höchsten Auszeichnung in diesem Handwerk, geehrt wurden.

Dem ist auch fast 25 Jahre später nichts hinzuzufügen. Karl Türk hat Großes für unser Handwerk geleistet und sich bleibende Verdienste in der Weiterentwicklung und Zukunftssicherung der Orthopädieschuhtechnik erworben. Nach seiner Amtszeit haben wir ihn mit Freude zu unserem Ehrenobermeister ernannt und werden sein Andenken immer in Ehren halten.

Innung für Orthopädieschuhtechnik Baden-Württemberg